Das Erstgespräch in der Psychotherapie: Was Sie erwartet

Der erste Termin ist für viele Menschen der schwerste. Man weiß nicht, was kommt, fragt sich, ob man am richtigen Ort ist, und sorgt sich vielleicht, die passenden Worte nicht zu finden. Diese Unsicherheit ist verständlich. In diesem Beitrag nehme ich Ihnen einen Teil davon ab und beschreibe, wie ein Erstgespräch abläuft, was Sie nicht vorbereiten müssen und warum dieser Termin vor allem eine Einladung ist, nicht eine Prüfung.
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Was ist ein Erstgespräch?

Das Erstgespräch ist der erste persönliche Termin zwischen Ihnen und der Therapeutin. Es dient dem gegenseitigen Kennenlernen, der Klärung Ihres Anliegens und der Frage, ob die Zusammenarbeit für beide Seiten passt. Es ist unverbindlich und verpflichtet Sie zu nichts. Oft fällt erst nach diesem Gespräch die Entscheidung, ob eine Therapie beginnt.

Warum dieser erste Termin so wichtig ist

In der Psychotherapie ist die Beziehung zwischen Patient und Therapeutin ein zentraler Wirkfaktor. Studien zeigen seit Jahrzehnten, dass das Vertrauensverhältnis stark beeinflusst, wie gut eine Therapie wirkt. Genau deshalb gibt es das Erstgespräch. Es ist die Gelegenheit zu prüfen, ob die Chemie stimmt.

Sie dürfen dabei wählerisch sein. Niemand erwartet, dass Sie sich nach den ersten Minuten festlegen. Es ist völlig in Ordnung, ein Erstgespräch zu führen und danach festzustellen, dass es nicht passt. Eine gute Therapeutin nimmt Ihnen das nicht übel, denn auch sie hat ein Interesse daran, dass die Zusammenarbeit trägt.

So läuft ein Erstgespräch typischerweise ab

Ein Erstgespräch dauert in der Regel etwa fünfzig bis sechzig Minuten. Den genauen Ablauf gestaltet jede Therapeutin etwas anders, der rote Faden ähnelt sich jedoch.

Ankommen

Zu Beginn geht es darum, dass Sie ankommen. Oft beginnt das Gespräch mit ein paar ruhigen, organisatorischen Worten, bevor es um Ihr Anliegen geht. Sie müssen nicht sofort das Schwerste auf den Tisch legen. Sie bestimmen das Tempo.

Ihr Anliegen

Im Hauptteil schildern Sie, was Sie herführt. Das darf ungeordnet sein. Sie müssen keine fertige Geschichte erzählen und keine Fachbegriffe verwenden. Es genügt, wenn Sie beschreiben, was Sie belastet und was Sie sich erhoffen. Ich stelle dazu einige Fragen, um ein Bild zu bekommen und um zu verstehen, in welchem Zusammenhang Ihr Thema steht.

Klärung des Rahmens

Gegen Ende klären wir das Praktische. Dazu gehören Fragen zu Häufigkeit und Dauer der Termine, zu den Kosten, zur Verschwiegenheitspflicht und zu möglichen Wegen der Kostenrefundierung. Sie erfahren, wie eine mögliche Zusammenarbeit konkret aussehen würde.

Die Entscheidung

Am Schluss steht keine Verpflichtung. Sie nehmen den Eindruck mit nach Hause und entscheiden in Ruhe. Manche Menschen wissen sofort, dass es passt, andere brauchen ein paar Tage. Beides ist in Ordnung.

Wie Sie sich vorbereiten können

Die gute Nachricht zuerst: Sie müssen sich nicht vorbereiten. Es ist kein Vortrag, den Sie halten müssen. Wenn Sie sich trotzdem wohler fühlen, wenn Sie etwas mitbringen, helfen vielleicht folgende Anregungen.

Es kann nützlich sein, sich vorab zu überlegen, was Sie sich von einer Therapie erhoffen, auch wenn die Antwort noch vage ist. Manche Menschen notieren sich Stichworte, damit sie im Gespräch nicht den Faden verlieren. Auch eigene Fragen dürfen Sie mitbringen, denn das Erstgespräch ist ausdrücklich auch für Ihre Fragen da.

Bringen Sie außerdem mit, was organisatorisch wichtig ist, etwa Angaben zu Ihrer Versicherung, falls Sie eine Kostenrefundierung anstreben. Mehr müssen Sie nicht leisten. Den Rest gestalten wir gemeinsam.

Welche Fragen Sie stellen dürfen

Viele Menschen trauen sich nicht zu fragen, dabei ist genau das erwünscht. Sie dürfen alles ansprechen, was Ihnen wichtig ist. Häufige Fragen sind etwa, wie ich arbeite, mit welcher Methode, wie lange eine Therapie ungefähr dauern könnte und was sie kostet. Auch die Frage, ob ein bestimmtes Anliegen überhaupt zu meinem Schwerpunkt passt, ist berechtigt und hilfreich.

Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, wie ich grundsätzlich arbeite, finden Sie auf der Seite zur Methode eine ausführliche Darstellung der Individualpsychologie.

Die Sorge, etwas falsch zu machen

Eine Befürchtung höre ich besonders oft: die Sorge, sich nicht richtig auszudrücken oder mit dem eigenen Anliegen zu nerven. Ich möchte das deutlich entkräften. Es gibt kein zu kleines Thema und keine falsche Art, davon zu erzählen. Sie müssen nicht funktionieren, um zu einem Erstgespräch zu kommen. Es genügt der Wunsch, etwas in Bewegung zu bringen. Falls Ihnen im Gespräch die Tränen kommen oder Sie ins Stocken geraten, ist auch das willkommen. Ein Erstgespräch ist ein geschützter Raum, in dem nichts bewertet wird.

Bereit für ein erstes, unverbindliches Gespräch?

Schildern Sie mir in wenigen Sätzen, worum es geht. Ich melde mich in der Regel innerhalb von zwei Werktagen zurück.

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